Montag, 24. Oktober 2011

Die Bosnischen Pyramiden und "Die Schweigespirale" nach Elisabeth Noelle-Neumann

In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts hat das Buch "Die Schweigespirale" von Elisabeth Noelle-Neumann etliches Aufsehen erregt. Elisabeth Noelle-Neumann ist die Gründerin und langjährige Leiterin des Instituts für Demoskopie in Allensbach am Bodensee. In den siebziger Jahren ist sie häufig am Tag der Bundestagswahlen um 18 Uhr, dem Zeitpunkt der Schließung der Wahllokale im Zweiten Deutschen Fernsehen aufgetreten und hat die notariell hinterlegte Wahlprognose des Instituts für Demoskopie in Allensbach vorgelesen.
Bis zu den Bundestagswahlen zu Beginn der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts lies es sich nachweisen, dass das offizielle Ergebnis der Bundestagswahlen und die Allensbacher Wahlprognose häufig um maximal zwei Prozent voneinander abgewichen sind. Heute im Zeitalter der computergestützten Hochrechnungen
sind diese desmoskopischen Wahlprognosen kurz vor der Wahl weitgehend uninteressant geworden. In den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts verbrachte Elisabeth Noelle-Neumann ein Jahr als Austauschstudenten in den USA. Dort hat sie die neuen Methoden der Meinungs- und Umfrageforschung kennen gelernt. 1936 hat der damalige Präsident Franklin Delano Roosevelt (FDR) die Präsidentschaftswahlen haushoch gewonnen. Sein Gegenspieler konnte nur die Wahlmänner des Bundessstaates Maine gewinnen. Ansonsten sind die Wahlmänner aller anderen US-Bundesstaaten an den Amtsinhaber FDR gefallen.Für diese Wahl gab es zwei Wahlprognosen.
1) Die Zeitschrift "Literary Digest" mit einer Millionenauflage hatte Ihre Leser befragt, wer denn die Präsidentenwahl 1936 gewinnen wird, Ungefähr zwei Millionen Leser haben den in der Zeitschrift abgedruckten Fragebogen ausgefüllt zurückgeschickt. Da diese Zeitschrift weitgehend von wohlhabenden Leuten gelesen worden ist, war die Leserschaft vom Wahlsieg des Herausforderers von FDR überzeugt, da FDR von vielen Wohlhabenden als "Kommunist" angesehen worden ist. !933, dem Jahr in welchem FDR sein Amt angetreten hat, war ca. 1/3 der US-Amerikaner arm. Diese Wählerschicht sah in der von FDR betriebenen Politik des "New Deal" - der Neuverteilung der Lebenschancen - eine große Chance, ein besseres Leben führen zu können und hat deshalb überwiegend FDR gewählt, was mit zu seinem enormen Wahltriumph beigetragen hat.
2) George Gallup, der Gründer des Gallup-Instituts für Meinungsumfragen hatte nur 6.000 Wähler befragt. Diese waren jedoch ein kleines Spiegelbild der us-amerikanischen Gesellschaft. Diese 6.000 Befragten wurden so ausgewählt, daß Sie in punkto Geschlecht, Alter und Verdienst der Ernährers der Familie ein getreues Abbild der US-amerikanischen Bevölkerung dargestellt haben. Der Fachausdruck hierfür lautet: Gallup hat einen repräsentativen Bevölkerungsquerschnitt befragt. Gallup hat aufgrund seiner überlegenen Befragungsmethode das Wahlergebnis viel präziser vorausgesagt. Diese Tatsache hat 1936 in den USA viel Aufsehen erregt: 6.000 repräsentativ befragte Wahlberechtigte haben ein besseres Ergebnis geliefert als zwei MIllionen Wähler, die keineswegs die amerikanische Gesellschaft in ihrer Gesamtheit wiedergespiegelt haben.
Nach Ihrer Rückkehr nach Deutschland hat Elisabeth Noelle-Neumann ihre Doktorarbeit "Meinungs- und Massenforschung in USA" geschrieben, die 1940 veröffentlicht worden ist. Der Journalist Erich Peter Neumann, der den Nationalsozialismus abgelehnt hat, bekam dieses Buch in die Hand und hat bei sich gedacht: "Wenn die Reichsregierung im September 1930, als bei den Reichstagswahlen, die Stimmen für die Nationalsozialisten raketenartig in die Höhe geschossen sind, dieses Prognoseinstrument besessen hätte, wäre es viel leichter gewesen, die Demokratie gegen deren Feinde zu verteidigen." Er hat daraufhin Elisabeth Noelle-Neumann kontaktiert, sie haben sich schätzen und lieben gelernt und nach dem Zweiten Weltkrieg in Allensbach am Bodensee das "Institut für Demoskopie in Allensbach" gegründet.

1957 hat die CDU bei der Bundestagswahl mit der Parole "Keine Experimente!" die absolute Mehrheit gewonnen. Diese Parole war zuvor demoskopisch ausgetestet worden. Einer Hälfte der Befragten wurde ein Blatt vorgelegt, auf dem ein Wahlplakat mit der Parole: "Wie müssen einen neuen Weg wagen!" abgebildet war, auf dem Blatt, das der anderen Hälfte der Befragten gezeigt wurde, stand der Slogan: "Keine Experimente!" Die Ergebnisse der Umfrage haben gezeigt, dass die letzte Wahlparole den meisten Befragten weitaus besser gefallen hat, als die erste. Der positive Wahlausgang für die CDU hat dieses Umfrageergebnis voll und ganz bestätigt.

Bei Ihren Umfrageforschungen hat Elisabeth Noelle-Neumann herausgefunden, dass es Themen gibt, über die sich viele Befragte gern unterhalten. Auf der anderen Seite gibt es Gesprächsstoffe, die von vielen Befragten eher gemieden werden. Die Frage zur Messung der Beliebtheit von Gesprächsthemen lautete folgendermaßen: "Angenommen Sie haben eine mehrstündige Eisenbahnfahrt vor sich und jemand in Ihrem Abteil beginnt eine Unterhaltung über das Thema X, würden Sie sich gerne an dieser Unterhaltung beteiligen?" In den sechziger Jahren hatte der damalige CSU-Politiker Franz-Josef Strauß eine sehr schlechte Presse. Es wurden ihm Bestechlichkeit und Amtsmissbrauch vorgeworfen. 'Die Bereitschaft der Befragten, während eines längeren Gesprächs in einem Eisenbahnabteil Franz-Josef Strauß zu verteidigen sank immer mehr und mehr. Am Ende gab es nur noch eine kleine Minderheit von ca. neun bis zehn Prozent der Befragten, die bereit waren, Franz-Josef Strauß gegenüber Unbekannten in einem längeren Gespräch ui verteidigen.

Elisabeth Noelle-Neumann entwickelte aus diesen Ergebnissen eine Theorie der Öffentlichen Meinung. Es gibt Meinungen, die der einzelne in der Öffentlichkeit vertreten muss, wenn er sich nicht isolieren will. Heutzutage sind sicherlich die Ablehnung der Geburtenkontrolle oder die uneingeschränkte Befürwortung von Kriegen und Gewalt in der Auseinandersetzung von Staaten Themen, die in der Öffentlichkeit auf wenig Gegenliebe stoßen. Elisabeth Noelle-Neumann hat schließlich herausgefunden, dass nur derjenige die Öffentliche Meinung  in seinem Sinn beeinflussen kann, der seine momentan weitgehend unpopulären Ansichten ohne Scheu auch in der Öffentlichkeit vertritt. "Ich muss es lernen, Spott und Tadel zu ertragen!", so hat Sie diese Bereitschaft zum Bekennermut kurz und bündig zusammengefasst.

Ich stelle immer wieder fest, dass viele Menschen auf das Äußerste verwundert sind, wenn ich Ihnen erzähle, dass in Bosnien die größten und ältesten Pyramiden der Welt entdeckt worden sind. Manche Gesprächspartner schauen mich daraufhin so an, als ob ich gerade einem UFO entstiegen bin. Hier bedarf es vieler Einzelner mit Bekennermut, damit die Bosnischen Pyramiden in der Öffentlichkeit bekannt werden, durch diese Bekanntheit ein immer größerer Besucherstrom dorthin entsteht und aufgrund der dann möglichen Einnahmen aus dem Tourismus zu den Bosnischen Pyramiden diese immer besser und gründlicher erforscht werden können.

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